• Die Grüne Stadt

Der Mensch braucht Pflanzen

Ein Gespräch mit dem Innenarchitekten Horst Fritze

Horst Fritze Er versteht seine Aufgabe darin, jenseits eines Mainstream-Diktats Wohn-, Arbeits- und Lebenswelten zu schaffen, die beseelt sind und dennoch den Zeitgeist atmen. Der 46-jährige Innenarchitekt Horst Fritze lebt und arbeitet in einem kleinen Dorf in der Nähe von München. Er ist der Verfasser des Buches „Am richtigen Ort – Der Wohnraum als Spiegel der Seele”, verbrachte einige Jahre seines Lebens im Kloster und engagiert sich heute ehrenamtlich in der Hospiz-Bewegung. Vor einigen Jahren hat er dafür sogar eine Ausbildung zum Hospiz-Helfer gemacht. Wir haben mit Fritze über seine Arbeit und die Bedeutung von Pflanzen in Innenräumen gesprochen.

Ihr Buch trägt den Untertitel „Der Wohnraum als Spiegel der Seele”. Wie meinen Sie das?

Fritze: Um uns wohl zu fühlen und zu uns selbst heimkehren zu können, ist es wichtig, dass Lebensräume widerspiegeln, was einen Menschen wirklich ausmacht: Gefühle, Stimmungen, Träume und Visionen. Diese müssen sich in den Zimmern wiederfinden. Die Wohnung kann – je nach Gestaltung – die positive Grundstimmung eines Menschen spiegeln sowie eine Entsprechung zu den ureigenen Räumen seiner Seele und seines Körpers sein. Bevor wir uns allerdings daran machen, unser Umfeld entsprechend zu gestalten, ist es natürlich wichtig, uns auf die Suche nach unserer wahren inneren Realität zu machen und diese zu entdecken.

Am richtigen Ort Inwieweit können Pflanzen dazu beitragen, Räume entsprechend zu gestalten?

Fritze: Pflanzen spielen meiner Meinung nach bei der Inneneinrichtung eine sehr große Rolle. Sie stehen für Lebendigkeit und Natur – also Dinge, nach denen sich jeder Mensch sehnt. Darum fährt man häufig, wenn man richtig entspannen möchte, ins Grüne. Diesen positiven Kick, den man in der Natur erlebt, kann man sich mit Pflanzen ein Stück weit ins Haus holen. Deshalb halte ich es für sehr wichtig, auch in unseren Wohnräumen Pflanzen zu haben.

Welche Zimmerpflanzen eigenen sich besonders dazu?

Fritze: Ich denke, das ist bei jedem Menschen individuell. Ich persönlich liebe beispielsweise großblättrige, exotische Pflanzen, die einen Raum dominieren wie z.B. Palmen. Für jemand anderen können es aber auch Kakteen oder Orchideen sein, die Freude machen und ein gutes Gefühl vermitteln.

Betrachten Sie Zimmerpflanzen eher als ein Accessoire – das im Wohnumfeld durchaus einen positiven Zweck erfüllt – oder sind es für Sie doch eher „grüne Mitbewohner”?

Fritze: Pflanzen können beides sein. Wenn ich beispielsweise öffentliche Gebäude wie Hotels oder Praxen einrichte, setze ich gerade in Empfangsbereichen Pflanzen als Gestaltungselement ein. Große Palmen z.B. wirken sehr säulenartig und können dadurch einem Raum eine ganz bestimmte Struktur geben. Auch kann man Pflanzen ganz wunderbar dazu benutzen, bestimmte Raumbereiche abzutrennen oder abzuschirmen. Meine Pflanzen zuhause betrachte ich dann doch eher als „grüne Mitbewohner”. Allein schon deshalb, weil ich mich um diese lebendigen Gewächse bemühen und kümmern muss. Ich denke, meine Pflanzen bekommen schon eine ganze Menge an Pflege und Zuwendung von mir. Natürlich freue ich mich dann auch, wenn beispielsweise mein Zitronenbaum wieder anfängt zu blühen oder sich neue Triebe entwickeln. Irgendwie macht mich das dann stolz. Und viele Gewächse begleiten mich auch schon über einen sehr langen Zeitraum. Meine älteste Pflanze ist ein Zypergras, das ich tatsächlich einmal von einem Zypernurlaub mitgebracht habe.

Sie engagieren sich ehrenamtlich in der Hospiz-Bewegung? Welche Rollen können Pflanzen in einem solchen Gebäude wie einem Hospiz spielen?

Fritze: Lebendiges Grün hat für die unheilbar Kranken in einem Hospiz eine besondere Bedeutung. Eigentlich müssten alle Hospize in einer grünen Umgebung liegen oder zumindest einen großen Garten haben, damit die Menschen herausgehen oder -gebracht werden können, um die beruhigende Wirkung der Natur auf sich wirken zu lassen. Wo dies nicht möglich ist, sollte zumindest in den Innenräumen entsprechendes Grün vorhanden sein. In einem Hospiz sind die Hygienevorschriften nicht so streng wie beispielsweise in einem Krankenhaus. Deshalb hat man hier vielfältigere Möglichkeiten, Pflanzen einzubringen. Um eine wohnliche Atmosphäre zu schaffen, können die Patienten auch eigene Möbel aufstellen oder Bilder aufhängen. Manche bringen tatsächlich auch ihre Zimmerpflanzen von zuhause mit.

Vielen Dank für das Gespräch.

Eine Antwort auf Der Mensch braucht Pflanzen

  1. Hedwig Hörsch sagt:

    Lieber Horst!
    zu deinem Geburtstag die Allerherzlichsten Glückwünsche
    von Hedwig u. Olaf aus Lemgo

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