• Die Grüne Stadt

Pflanzen im Topf sind schon lange Begleiter des Menschen

Ein Gespräch mit Kunsthistorikerin Stephanie Hauschild

Dr. Stephanie Hauschild Bevor ihr Buch “Oasen für die Sinne – Wie der Garten ins Wohnzimmer kam” 2007 in den Handel kam, war das Thema Zimmerpflanzen von Historikern sträflich vernachlässigt worden. Die Kunsthistorikerin Dr. Stephanie Hauschild änderte das und wurde für ihr Werk mit dem Deutschen Gartenbuchpreis ausgezeichnet. Die 43-jährige Buchautorin lebt mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Darmstadt und ist heute als freie Mitarbeiterin bei der Schader Stiftung tätig. Im September 2010 erschien ihr neues Buch “Meine Kräuterfensterbank”.

Frau Dr. Hauschild, woher kommt Ihre Leidenschaft für Pflanzen?

Hauschild: Ein Schwerpunkt meines Studiums waren Naturdarstellungen, vor allem mittelalterliche Tier- und Pflanzenbilder. Als ich dann später in einem Museum arbeitete, ist ein Verlag an mich herangetreten und hat mich gefragt, ob ich ein Buch über die Gärten des Albertus Magnus schreiben möchte. So habe ich mich mit der Zeit immer intensiver in das Thema Gärten und Pflanzen eingearbeitet.

Mit dem Buch “Oasen für die Sinne” haben Sie den Blick einmal auf eine von Historikern bis dahin vernachlässigte Pflanzengruppe gerichtet.

Hauschild: Ja tatsächlich, Kunst- und Gartenhistoriker beschäftigten sich bis dahin eher mit großen und prächtigen Garten- und Parkanlagen. Genau das war aber der Grund, warum mir die Arbeit an dem Zimmerpflanzenbuch so viel Freude gemacht hat. Das Thema unter der Fragestellung, wie und wann die ersten Pflanzen in unsere Wohnungen kamen, wurde vorher kaum erforscht. Ich hatte das Gefühl – ähnlich wie die Entdecker und Pflanzenjäger des 18. und 19. Jahrhunderts – echtes Neuland zu betreten.

Oasen für die Sinne Können Sie die Geschichte der Zimmerpflanzen in ein paar Sätzen erzählen?

Hauschild: Wann man das erste Mal auf die Idee gekommen ist, Pflanzen in Gefäße zu setzen, ist nicht bekannt. Pflanzen im Topf sind aber schon sehr lange Begleiter des Menschen, wie es Überlieferungen aus der Zeit der alten Ägypter und Griechen belegen. Im Mittelalter holten sich die Menschen zumeist einheimische Gewächse ins Haus. Ihr Blütenduft sollte üble Gerüche überdecken. Im 16. Jahrhundert wurde das Sammeln von exotischen Gewächsen ein Hobby, das sich vor allem der Adel leisten konnte. Durch die fortschreitende Kolonialisierung Afrikas und vermehrte Expeditionen in den Pazifik kamen im 18. Jahrhundert dann immer mehr neue Pflanzen zu uns. Da sich die Wohnbedingungen mittlerweile deutlich verbessert hatten – es gab beispielsweise erste Heizungen – wurden nun diese Exoten auch in den Wohnräumen des europäischen Bürgertums heimisch.

Welche Bedeutung haben – im Gegensatz zu früher – Pflanzen in Räumen heute für die Menschen?

Hauschild: Heute ist es für die Menschen wesentlich einfacher, sich geeignete Zimmerpflanzen zu besorgen, Informationen über sie zu bekommen und ihnen optimale Lebensbedingungen zu geben. Natürlich kann man sich auch heute noch Pflanzen von Reisen mitbringen. Das hat übrigens auch schon Johann Wolfgang von Goethe getan. Seine Königin der Nacht oder seine Grünlilie standen jedoch vor allem zu Forschungszwecken bei ihm auf der Fensterbank. Heute platzieren die Menschen Pflanzen zumeist aus ästhetischen Gründen in ihren Wohnungen. Dabei ist die Pflanzenauswahl immer wieder wechselnden Moden unterworfen.

Haben Sie auch an echten Pflanzen Interesse oder sind es vor allem die kunsthistorischen und historischen Aspekte, die Sie begeistern?

Hauschild: Ich habe ein echtes Interessen am Gärtnern und auch an Zimmerpflanzen. In den letzten Jahren ist das ein richtiges Hobby von mir geworden. Ich verschlinge alle Bücher, die ich bekomme, und schaue auch gern Gartenmagazine im Fernsehen an. So habe ich mir schon ein ganz gutes Fachwissen angeeignet.

Sie haben also viele Pflanzen in der Wohnung?

Hauschild: Derzeit nicht. Ich stelle meine Zimmerpflanzen im Sommer alle raus in den Garten und auf die Terrasse. Was nicht immer ganz einfach ist. Mein 1,60 Meter großer Baumfarn wiegt doch eine ganze Menge. So langsam wird er auch zu groß für die Wohnung. Ich will ihn aber auf keinen Fall abgeben. Ich habe ihn als ganz kleines Pflänzchen vor Jahren von der Insel Madeira mitgebracht. Damals passte er noch in den Karton von einer Weinflasche. Im kommenden Winter gebe ich ihn wahrscheinlich in Pflege. Es gibt hier bei uns so etwas wie ein Pflanzenhotel. Dort kann man seine Pflanzen unter optimalen Bedingungen überwintern lassen und im Frühjahr holt man sie wieder ab.

Wie es sich anhört, sind Ihre Pflanzen für Sie mehr als ein Wohn-Accessoire?

Hauschild: Auf jeden Fall. Es gibt Pflanzen, da würde es mir wirklich nahe gehen, wenn sie eingingen. Wenn Menschen Pflanzen nur als Deko-Objekte betrachten und entsprechend behandeln, finde ich das schade. Dann werden die Bedürfnisse der Pflanze oft nicht gesehen. Pflanzen sind doch lebende Wesen, die einen Anspruch auf Pflege haben. Ich bin jemand, der sogar versucht, Weihnachtssterne über die Saison hinaus zu pflegen und wachsen zu lassen. Eigentlich ist das gar nicht so schwer. Sie treiben nach der Ruhephase im Frühjahr neu aus, wachsen weiter und entfalten im Winter wieder ihre volle Pracht. Wie groß ein Weihnachtsstern tatsächlich werden kann, habe ich auch auf Madeira gesehen. Dort kann man baumgroße Exemplare finden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*